Dienstag, 23. Juni 2009

Rundbrief Nr. 7 / März - Juni 2009

Du bist mein Gott, und ich danke dir; mein Gott, ich will dich preisen. Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich. Psalm 128, 28-29

Bogotá, den 20. Juni 2009

Liebe Familie, Freunde, Beter und Unterstützer,

Wieder einmal ist es allerhöchste Zeit, euch über die aktuellen Ereignisse auf dem laufenden zu halten. Eine ereignissreiche und erfüllte Zeit liegt hinter mir. Jetzt, wo der Stress und die Anspannungen der letzten Wochen verklungen sind und ich wieder mehr zur Besinnung und zur Ruhe kommen kann, ist mir eines sehr wichtig geworden: Gott über allem zu loben für seine Treue und Güte. Desöfteren wurde ich gefragt: „Tobias, bist du glücklich? Wie fühlst du dich, bei so vielen Dingen, die in deinem Leben passieren?“ Ja, wie geht es einem, der sich vor fast zwei Jahren auf ein Abenteuer ins Ungewisse eingelassen hat. Dem es nicht einfach fiel, die Erfahrungen und das Erlebte der Vergangenheit hinter sich zu lassen und einen Teil seiner Träume aufzugeben. Wenn mir einer damals gesagt hätte, was in der relativ kurzen Zeit schon alles passieren würde, ich hätte es kaum geglaubt. Und so war meine Antwort auch immer wieder: „Ich komme mir vor wie in einem schönen Traum der einfach nicht mehr aufhören will.“ Dabei will ich nicht sagen, dass immer alles perfekt läuft und es nie schwierige Momente gibt. Doch wenn ich zurückschaue, dann durfte ich eines ganz intensiv lernen. Wer auf Gott vertraut, braucht sich nicht zu fürchten. Wer sich um die Dinge sorgt, die Gott wichtig sind, für den wird Gott sorgen. Wer sich der Führung des guten Hirten anvertraut, dem wird nichts mangeln.




Danke Herr, für deine Freundlichkeit und Güte, die sich darin zeigt, dass du mir in Angie eine wunderbare Frau zur Seite gestellt hast.





Es war ein sehr schönes Fest und für uns natürlich ein riesen Geschenk, dass meine Familie aus Deutschland mit dabei sein konnte. Danke euch allen! Danke auch an all diejenigen, die Karten und Grüsse geschickt haben. Ich war wirklich berührt, wieviele an diesem Tag an uns gedacht haben.

Die Kids von AB haben von dem Besuch natürlich auch provitiert. Ole, Tobi, Silke und meine Brüder haben ihnen ein Tischfussball gebaut. Das Zubehör haben sie extra aus D. mitgebracht. Jetzt sind die Jungs fast rund um die Uhr am Spielen. Danke für eure Kreativität und für euren Einsatz!




Am 27. April konnten wir endlich mit der Ausgabe der Mittagessen in Corinto loslegen. Das Projekt hatte sich verzögert, nachdem es Probleme mit den Räumlichkeiten gab, die wir eigentlich ab Februar schon mieten wollten.
Wir haben jetzt den ersten Stock eines Hauses gemietet, das zwar kleiner ist, doch auch schöner. Die Besitzerin Ines haben wir als Köchin eingestellt. Sie war früher Vorsteherin des Viertels und ist uns eine grosse Hilfe. In den letzten Wochen kamen neben meiner Familie auch andere Praktikanten von „Jugend mit einer Mission“ aus dem Ausland, um bei uns mitzuhelfen. Das hat ein bisschen für Aufmerksamkeit bei den Menschen von Corinto gesorgt. Die Kinder erzählten Ines, dass man vorhat die Ausländer zu überfallen. Ines, die ihre Leute kennt, und weiss, wer hinter diesen Dingen steckt, redete mit denen und sie versprachen ihr, uns in Ruhe zu lassen. Inzwischen haben wir 70 Kinder zu den täglichen Mittagessen eingeschrieben. Jeden Tag lernen wir einen Bibelvers mit ihnen, helfen bei den Hausaufgaben, hören ihnen zu und machen Spiele. Einmal pro Woche begleitet uns Monica, unsere Psychologin von Aktion Barmherzigkeit, um mit den schwierigeren Kindern und den Eltern zu arbeiten. Samstags finden weiterhin unsere evangelistischen Einsätze statt.


Seit Ende Mai arbeitet nun auch Elkin vollzeitig bei uns mit. Er ist ein grosser Segen, da er den Kindern auf eine begeisternde und freudige Art und Weise Jesus lieb macht. Für mich ist er eine wahre Gebetserhörung. Ich kenne ihn schon seit zwei Jahren aus der Gemeinde und wir haben zusammen angefangen zu überlegen, wie wir die Kinder und Jugendlichen aus den armen Schichten für Jesus gewinnen können. Weil er weiss, dass Gottes Wille für sein Leben ist, ein Pastor für diese Kinder und Jugendlichen aus den Armenvierteln zu sein, lies er einen Job hinter sich, in dem er sehr gut verdient hatte und bekommt von uns nun weniger als die Hälfte seines vorherigen Gehalts.
Eine weitere Mitarbeiterin ist Mafe. Viele Jahre wohnte sie im Kinderheim bei Aktion Barmherzigkeit. Seit einem Semester studiert sie und wohnt wieder bei ihrer Mutter und den Geschwistern. Aus dem einst ängstlichen und selbstmordgefährdeten Mädchen ist eine junge selbstbewusste Frau geworden, die ihren Weg entschieden mit Jesus geht und das, was sie bei AB empfangen hat, nun an andere Kinder weitergibt.
Somit besteht unser Team in Corinto also aus Elkin, Mafe, Monica, Angie und mir, sowie mehreren ehrenamtlichen Personen, die uns bei den Samstagseinsätzen helfen.


Noch eineinhalb Monate! Vom 4. August bis zum 12. Oktober werden Angie und ich in Deutschland sein. In dieser Zeit wollen wir Möglichkeiten bieten, von unserer Arbeit in Bogotá zu berichten. Wenn ihr uns einladen wollt zu persönlichen Gesprächen oder zu Vorträgen in Gruppen, Hauskreisen und Gemeinden, schreibt bitte zwei bis drei Terminvorschläge an meine email–Adresse, die sich am Ende des Briefes befindet.


Aus Bogotá grüssen und wünschen euch Gottes überreichen Segen:

Eure Angie und Tobias

Freitag, 27. März 2009

Rundbrief Nr 6 – Januar/Februar/März 2009


Wenn lieben einfach wäre,

würde es nicht so viele Menschen geben, die nicht lieben können, auch nicht so viele Menschen, die sich nicht geliebt fühlen, es gäbe nicht so viele Hungernde, nicht so viele Kriege, keine Kinder die allein auf der Strasse leben, keine Waisenhäuser. Schwangere Frauen würden nicht an Abtreibung denken. Es gäbe keine Prostituirten, keine Diebe, keine Morde, Wachunde wären in den Häusern überflüssig. Es gäbe keine Scheidungen, denn niemals würde jemand den Schwur vor dem Altar vergessen. Es gäbe keine überteuerten Produkte, niemand der zuviel verdient und niemand, der zu wenig verdient, …

Der Wille ist stolz, und der Mensch ist ein Egoist, deshalb ist lieben so schwer,

Jesus Christus spielte nicht mit uns, als er uns, dazu aufrief, zu lieben.
Als er aus Liebe am Kreuz starb, gab er uns das beste Beispiel:

Liebe ist nicht nur Gefühl, sondern Auftrag, Entscheidung, Hingabe und Gehorsam.
Man liebt nicht, weil es einfach ist, sondern weil es notwendig ist.



Liebe Familie, Freunde, Beter und Unterstützer,

Oft ist lieben gar nicht so einfach. Wir kennen so viele Situationen, in denen Menschen uns verletzt haben, setzten unser Vertrauen in jemanden und wurden enttäuscht, haben so viel Zeit und Kraft in eine Person investiert, und am Ende scheint alles umsonst gewesen zu sein. Je mehr ich Einblick in die Lebensgeschichten meiner Kinder bekomme, desto mehr wird mir klar, wie wichtig und grundlegend die Liebe in einem Leben ist. Ist sie da, dann kann ein Leben sich entfalten und gedeihen. Fehlt sie jedoch, dann hat das schreckliche und zerstörerische Auswirkungen. Liebe ist nicht nur ein Gefühl, sondern der Auftrag Gottes an uns, sowie die Entscheidung, diesen Auftrag anzunehmen.

Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott. Micha 6, 8


Die letzten Wochen waren ein Wechselbad der Gefühle. Zum schönen Teil gehört natürlich Angie und die Hochzeitsvorbereitungen. Wir besuchen gerade einen Ehekurs einmal die Woche über drei Monate in der Gemeinde. Das ist echt interessant und wir werden mit vielen Szenarien konfrontiert und wie man diese schon von Anfang an vermeiden kann. Natürlich stellen wir auch Unterschiede fest durch Erziehung und die unterschiedlichen Kulturen. Aber es sind Dinge, die wir als eine gute Ergänzung füreinander sehen können. Am 30. Mai 2009 werden wir in Kolumbien den Bund der Ehe mit Gott schliessen. Ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht und erwartet, dass jemand aus Deutschland kommen wird. Umso grösser war natürlich unsere Freude darüber, dass meine Familie und Freunde mit 19 Personen aus Deutschland bei der Hochzeit dabei sein werden. Mehrere Personen haben mich schon gefragt, wieso wir in Kolumbien heiraten werden. Der Grund ist der, dass Angie kein deutsch kann (noch nicht) und auch fast niemand kennt. Während ich hier schon einen Freundeskreis aufgebaut habe und wir ja auch in Kolumbien wohnen werden. Im August und September werden wir dann in Deutschland sein, wo es natürlich auch ein “Feschdle” geben wird.



Setze mich wie ein Siegel auf dein Herz und wie ein Siegel auf deinen Arm. Denn Liebe ist stark wie der Tod, und ihr Eifer ist fest wie die Hölle. Ihre Glut ist feurig und eine Flamme des HERRN, daß auch viele Wasser nicht mögen die Liebe auslöschen noch die Ströme sie ertränken. Hohelied 8,6-7a

Gebetsanliegen:

Der nicht so schöne Teil sind wie oben bereits erwähnt die Lebensumstände und Vergangenheiten der Kinder und Personen, mit denen ich immer mehr konfrontiert werde. War ich doch immer jemand, der krasse Situationen einfach Gott abgeben konnte, so erlebte ich mich die letzten Wochen doch sehr nachdenklich und beladen mit dem was ich sah und hörte. Kinder, die so sehr von den Eltern verprügelt wurden, dass sie offene Wunden im Gesicht und am Körper hatten. Ein junger Mann, dessen Eltern Geschwister sind, der vom Vater sexuell missbraucht wurde, als Jugendlicher von daheim abgehauen ist und sich durch Prostitution über Wasser hielt. Die Folge: er hat Aids. Eine Jugendliche, die von klein auf sexuell von mehreren Männern und dem eigenen Vater missbraucht wurde, anfing, sich als Mann zu verkleiden und zu fühlen und sich in den Drogenkonsum flüchtete. Ein zehnjähriges Mädchen, dass schon seit sie fünf Jahre alt ist, ein sexuelles Verhältnis mit dem Stiefvater hat, die Mutter das weiss und auch, dass er mit anderen Mädchen aus dem Viertel und mit ihren eigenen minderjährigen Schwestern sexuelle Beziehungen hatte. Er schlägt sie immer wieder und demütigt sie vor den Kindern. Ein achtjähriger, der immer wieder ausrastet und selber sagt, dass er von Dämonen kontrolliert wird, mit bloser Hand Fensterscheiben zertrümmert, andere verflucht und droht, sie umzubringen. Ein Mann, der frisch aus dem Gefängnis entlassen schon wieder seine Mordpläne schmiedet und seine Tochter entführen will… Warum erzähle ich euch das alles so ausführlich? Weil ich merke und Angie letzte Woche zu mir auch meinte, dass wir uns in ein Umfeld begeben haben, wo wir uns intensiv unter den Schutz Jesu stellen müssen. Denn das, was wir im Armenviertel sehen, sind nicht die Menschen. Dahinter stecken zerstörerische Mächte der Finsternis. (Efeser 6,12) Je mehr ich diese Dinge sehe, desto mehr bin ich dankbar über meine behütete Kindheit. Darüber, dass ich schon von klein auf die Liebe Gottes in mich aufsaugen konnte. Und gleichzeitig merke ich auch, wie grundlegend wichtig es ist, diese Liebe, die so viele niemals kennengelernt haben, weiterzugeben. Oft ist es nicht einfach, man braucht viel Geduld, muss viel Zeit und Kraft investieren und oftmals sieht man keine Früchte, aber als Christen haben wir den klaren Auftrag, Botschafter des Reiches Gottes in dieser Welt zu sein und die rettende Botschaft von der Liebe Gottes an die dunklen Orte zu tragen. Letzte Woche habe ich in den Nachrichten über den Amoklauf in Winnenden gelesen. Hätte dieser Jugendliche diese einzigartige Liebe Gottes kennengelernt, … Es gibt so viele, die sich einsam und ungeliebt fühlen. Jesus ist die Antwort auf Sorgen, Probleme und Nöte. Er hat uns aufgefordert, diese frohmachende Botschaft nicht nur für unser eigenes Leben anzunehmen, sondern sie den Menschen um uns herum weiterzusagen.

Sebastian (8Jahre) kam letzte Woche von der Schule heim und erzählte mir, dass er mit einem Mitschüler gestritten hat. “Normalerweise raste ich aus und schlage zu, aber dann habe ich gebetet und Gott hat mir meine Wut genommen.”

Juan Esteven sagte mir heute: „Gott hat mich seit ich bei euch bin sehr verändert. Jeden Tag bete ich, dass er mir hilft, ein guter Mensch zu sein.“

Tierra de Esperanza



Leider konnten wir mit dem Projekt “Land der Hoffnung” noch nicht in vollem Ausmass beginnen. Die Räumlichkeiten, die uns für Anfang Februar versprochen wurden, sind noch nicht freigegeben worden. So hoffe ich und bitte betet dafür, dass wir bis Anfang April mit dem Essenstisch loslegen können. Bei unseren Samstagseinsätzen merken wir es immer wieder, wie wir für die Kinder schon ein wichtiger Teil geworden sind und sie einen Hunger haben, nach Menschen, die ihnen das Vaterherz Gottes zeigen inmitten einer total perversen Welt. Sie mögen die biblischen Geschichten, die wir ihnen erzählen und wenn wir Gott mit Liedern anbeten.

Ein 13 jähriger Junge schrieb in einem Brief: Heute habe ich etwas sehr besonderes erlebt. Ich fühlte mich umarmt von Gott. So etwas hatte ich noch nie erlebt. Es fühlte sich an, wie wenn jemand in meinen Körper hineinkommt und immer bei mir ist, wenn ich alleine bin.

Ein 12 jähriges Mädchen schrieb: Ich habe mich nicht gut gefühlt, bevor ich heute in die Gruppenstunde kam. Aber ich habe erfahren, wie Gott mich hochhob in seine Arme. Als wir gesungen haben, hatte ich Lust zu weinen und ich habe geweint. Ich habe meine Scham vor Gott ausgeschüttet, weil ein Junge mir grossen Schaden zugefügt hat. Ich habe gemerkt, dass Gott mich beschützen will, und dass er wirklich existiert.

Zum Schluss möchte ich mich bedanken zuerst bei Gott, für all die positiven Veränderungen, die es bei Aktion Barmherzigkeit in verschiedenen Bereichen gab. Wir durften persönliche und geistliche Fortschritte sowohl bei Kindern, als auch im Mitarbeiterteam sehen. Und euch allen von Herzen Danke, die ihr euch gebrauchen lasst von Gott, euch segnend hinter uns stellt und so zum Segen von vielen Menschen in Kolumbien werdet.


Herzliche Grüsse aus dem zur Zeit regnerischen und kühlen Bogotá!
Gott segne euch!

Euer Tobias

Mittwoch, 11. März 2009

Sie sind stolz auf ihre Kleinen

Montag, 9. März 2009

Sind sie nicht hübsch die beiden? :-)






Vor 2 Wochen war es endlich soweit. Unsere Hündin im Haus der Jungs bekam Nachwuchs. Alle waren schon gespannt darauf. Keiner der Jungs wollte dieses Ereignis verpassen und alle waren dabei, als es soweit war. Während wir zuschauten, wie die Kleinen nach und nach geboren wurden, wie die Mutter ohne es je gelernt zu haben alles perfekt erledigte, und wie die 5 Welpen sofort die Zitzen zum Milchtrinken ansteuerten, waren wir alle überwältigt von der Kreativität Gottes und wie perfekt er alles bis ins Detail geschaffen hat.

Sonntag, 28. Dezember 2008

Rundbrief Nr. 5 – November/Dezember 2008

Bogotá, den 25. Dezember 2008

Liebe Familie, Freunde, Beter und Unterstützer!

1 Jahr in Kolumbien

Heute ist es auf den Tag genau ein Jahr her, dass ich in Kolumbien bin. Als ich gestern am Heiligen Abend Rückschau hielt und an all die tollen Überraschungen und schönen Momente dachte, die Gott für mich bereit hatte, konnte ich einfach nur noch „Danke Jesus!“ sagen. Es war ein sehr erfülltes Jahre und im folgenden Brief werdet ihr merken, dass das nächste Jahr, so Gott will, nicht weniger spannend werden wird.

Tierra de Esperanza

Auf Deutsch heisst das „Land der Hoffnung“ und ist der Name des neuen Projekts, das wir im Februar in Corinto beginnen wollen. Corinto ist ja das Armenviertel, von dem ich im letzten Rundbrief erzählte. Seit Oktober sind wir mit einem Team von sieben Personen jeden Samstag in das Viertel gefahren und haben für die Kinder in drei verschiedenen Alterstufen ein Programm mit biblischen Geschichten, Liedern, Spielen und einem Snack angeboten. Ohne Werbung zu machen kamen am Ende ca. 100 Kinder zum Programm. Jedesmal, wenn wir Samstag abends wieder das Auto gepackt und uns auf den Heimweg gemacht haben, war es ein bedrückendes Gefühl, die Kinder wieder eine Woche ihren oft so traurigen Lebensumständen zu überlassen. Damit wollte ich nicht zufrieden sein. Einmal berührt und ergriffen von der Not der Kinder fing ich an, darüber nachzudenken, wie wir ihnen auch unter der Woche helfen können und die Kinder, die mehr von Jesus wissen wollen intensiver begleiten können. Es war kein einfacher Prozess für mich. Denn eigentlich ging ich immer davon aus, erst in ferner Zukunft mit einem eigenen Projekt in den Armenvierteln zu beginnen und ich zweifelte an meinen Fähigkeiten und den nötigen Mitteln, die wir dafür bräuchten. 2009 ist die Jahreslosung: Was für Menschen unmöglich ist, das ist für Gott möglich. Gott forderte mich sehr heraus. Er hatte soviele Türen geöffnet wie z.B. das Auto, ohne das es unmöglich gewesen wäre in das Viertel zu gelangen, die treue finanzielle Unterstützung, er schickte Menschen, die auch ein Herz bekommen haben für dieses Viertel und mitarbeiten wollen und trotzdem zögerte ich noch. Ich musste erkennen, dass Gott mir schon mehr zutraut, als ich es selber tat und er erinnerte mich an die Träume, die er mir schon vor Jahren gegeben hatte, Gemeinde in den Armenvierteln zu bauen. Mit der Sicherheit, einen Gott hinter mir zu haben, der mit meinen begrenzten Fähigkeiten das für mich undenkbare vollbringen kann und es schon so oft vollbracht hat in meinem Leben, wie kann ich da noch zögern!?. Als ich das begriffen hatte, kam ich in eine Freiheit hinein mutig zu planen und Entscheidungen zu treffen. Ab Februar wird es nun für zunächst 100 Kinder täglich von Montag bis Freitag ein warmes Mittagessen geben, Hilfe bei den Hausaufgaben, Andachten und Spiele. Die Kinder sollen in „tierra de esperanza“ einen Zufluchtsort finden, der sie inmitten von Not und Gewalt die Liebe Gottes erleben lässt und ihnen eine Hoffnung gibt, die sie seither nicht gekannt haben. Für die Jugendlichen und Erwachsenen, die ihr Leben mit Jesus leben wollen, möchten wir mit einer Hauskreisarbeit beginnen. Der Beginn einer Gemeinde in Corinto? Das liegt in Gottes Hand. Der Boden, auf den wir säen wollen, ist steinig, die Umstände krass. Es gibt Gewalt, Hexerei und okkulte Praktiken. Die Menschen sind gebunden in Süchten und unmoralischen Machenschaften. Doch war das Korinth der Bibel nicht auch eine der unmoralischsten Städte des damaligen Griechenlands? Und mit welch beeindruckender Kraft wirkte Gott unter den Menschen dort, befreite, befähigte und hat seine Gemeinde gebaut? Was für Menschen unmöglich ist, das ist für Gott möglich!

Eine besondere Geburtstagsparty

Der 21. Dezember war der Höhepunkt unserer seitherigen Arbeit in Corinto. Um den Kindern den Sinn von Weihnachten zu vermitteln, bereiteten wir eine Geburtstagsfeier für Jesus vor. Es gab Spiele, ein leckeres Mittagessen, Geschenke für 180 Kinder, ein Theaterstück von Max Lucado und wir tanzten mit den Kindern. Der ergreifendste Moment war für mich als Elkin, ein treuer Freund und Mitarbeiter bei den Samstagseinsätzen, nach dem Theaterstück mit den Kindern betete. Alle Kinder, die mitbeten wollten wurden in die Mitte eingeladen und jeder Mitarbeiter nahm ein paar Kinder in den Arm. Es gab Kinder, die anfingen zu weinen, weil sie berührt waren von Gottes Liebe. Auch den ganzen Tag über konnten wir Gottes Gegenwart und seinen Schutz erleben. Das Mittagessen, das wir eigentlich für die 180 Kinder geplant hatten reichte sogar noch für die ca.100 Eltern die am Rande der Aktivität zuschauten. Der Vorsteher des Viertels erzählte uns am Abend, dass es in der Vergangenheit schon zu wilden und gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen ist zwischen den Bewohnern, als Personen von ausserhalb Geschenke verteilten. Er war erstaunt wie friedlich alles verlief und meinte auch, dass sich viele Erwachsene sehr positiv über die Aktivität geäussert hätten. Das war also ein wichtiger Schritt, um das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen. Halleluja! Auf dem Bild rechts ist José, der Vorsteher des Viertels mit seiner Familie. Er ist uns wohlgesinnt. Bitte betet, dass dies auch so bleibt und dass er Jesus in sein Herz aufnimmt. Ihnen schenkten wir eine Tafel mit dem Psalm 23.

Neue Kinder bei Aktion Barmherzigkeit

Kein Platz mehr in der Herberge! Das ist die Situation im Haus der Jungen. Seit Anfang Dezember haben wir fünf neue Jungen aufgenommen. Sie heissen Sebastian (8 Jahre), Brandon (8), Dario (10), David (14) und Brayan (15). Im Haus der Mädchen kam Angela (6) und Sara (13) dazu. Insgesamt sind es also zur Zeit 14 Jungen und 14 Mädchen, die innerhalb der Einrichtung wohnen, sowie 4 Jungen und 3 Mädchen, die bei ihren Familien wohnen und die wir regelmäsig unterstützen. Bitte betet für sie. Sebastian ist ein besonderes Gebetsanliegen. Er war unter den Kindern in Corinto sehr unbelieb, weil er agressiv und gewaltätig ist. Auch kann er sich nicht an Regeln halten. Sein Leben war seither die Strasse. Zur Schule ging er nicht. In den ersten 2 Wochen ist er uns einige Male ausgebüchst. Es vergeht auch wirklich kaum ein Tag, an dem er nicht irgendetwas zerstört oder einen seiner üblen Wutanfälle bekommt.

Das war auch schon wieder das wichtigste von Aktion Barmherzigkeit und dem neuen Projekt „Land der Hoffnung“. Euch allen zuhause in der Heimat wünsche ich ein frohes und gesegnetes neues Jahr 2009 und möchte euch ermutigen, dieser Verheisung aus Lukas 18,27 ganz zu vertrauen.

Für Gott ist NICHTS unmöglich!

Euer Tobias!

Freitag, 28. November 2008

TIERRA DE ESPERANZA - LAND DER HOFFNUNG

video

Montag, 27. Oktober 2008

Rundbrief Nr. 4 – August / September / Oktober 2008

Liebe Familie, Freunde, Beter und Unterstützer!

„Hier ist es zu gefährlich, da möchte ich euch nicht aussteigen lassen“, meinte der Taxifahrer als Angie - meine Freundin und ich uns bei Anbruch der Dunkelheit in einem Viertel befinden, das bekannt ist für seine gewaltbereite und agressive Bevölkerung. Wir sind auf der Suche nach vier Jungen. Sie heissen Daniel (12), Miguel (14), Rafael (16) und Juan (18). Fast jeden Tag fahren sie mit ihrem Pferdegespann durch das Viertel, in dem das Kinderheim ist um Müll auf den Straßen einzusammeln. Kennengelernt habe ich sie, als sie etwas aus unserem Garten klauen wollten. Ich habe angefangen mit ihnen zu reden und für sie zu beten. Inzwischen klingeln sie jedesmal wenn sie vorbeifahren. Ich gebe ihnen etwas zu Essen und sie erzählen mir aus ihrem Leben. Lesen und Schreiben können sie nicht, einer war schon ein halbes Jahr im Gefängnis. Ich versprach ihnen, sie in ihrem Viertel besuchen zu kommen. Doch der Fahrer des Taxis, mit dem wir unterwegs sind sagte mir sehr schnell, dass es diese Adresse, die sie mir diktiert hatten nicht gibt. Der Name des Viertels war mir bekannt und so sagte ich dem Taxifahrer, er sollte uns in das Viertel reinbringen. Nun gut, wir wussten, dass es gefährlich ist, aber ich hatte einen tiefen Frieden darüber, dass Gott will, dass wir sie an diesem Tag besuchen. Also stiegen wir gegen den Rat des Fahrers aus ohne zu wissen, wohin wir uns wenden sollten. Das Viertel ist sehr groß. „Herr, führe du uns zu den Jungen hin“, beteten wir. Wir befanden uns im Zentrum des Viertels und es herrschte reges Treiben. Dann sahen wir in einer engen düsteren Seitenstraße ein Pferdegespann. Ein Mann mit einem kleinen Mädchen saßen darauf. Als wir ihn fragten, ob er die vier Jungs kennt, meinte er: „Nein“!Er war nicht gerade Vertrauen erweckend und wenn das Mädchen nicht gewesen wäre, hätte ich wahrscheinlich schnell das Weite gesucht. Ich hatte das Gefühl, dass er die vier Jungen kennt. Also hakte ich nach.: „Kennst du sie wirklich nicht“? – „Nein, und woher soll ich wissen, dass ihr sie nicht umbringen wollt“? Das waren seine Worte. Krass! Aber damit verriet er uns auch, dass er sie kennt. Wir erklärten ihm den Grund unseres Besuchs und nach einigem Zureden meinte er: „Ich bringe euch in die Nähe wo sie wohnen, aber sagt ja nicht, dass ich euch hingebracht habe“. Also hockten wir uns auf seinen Pferdeanhänger und wurden durch die engen holprigen Gassen gefahren. Wäre nicht diese bedrückende Stimmung und die zahlreichen Betrunkenen auf den Strassen gewesen, dann hätte es eine romantische Kutschfahrt bei Mondschein sein können. An einer Straßenecke hielten wir an und der Mann zeigte mit dem Finger auf ein Haus. Dort wohnen sie. In der Straße spielten viele Kinder. Die Tür eines Hauses öffnete sich und eine alte Frau schrie wüste Beschimpfungen in Richtung der Kinder. Wir klingelten an dem Haus dass der Mann uns zeigte. Die Frau, die öffnete war zunächst etwas zurückhaltend als ich nach den Jungen fragte. Doch nachdem wir uns vorgestellt hatten und ihr den Grund unseres Besuchs erklärten gab sie uns bereitwillig Auskunft. Ja sie wohnen hier. Aber sie sind gerade nicht hier, weil die Schwester von Rafael wegen einer Messerattacke im Krankenhaus ist und die Jungs sie begleitet hatten. In dem Moment kam aber Miguel, einer der Jungen um die Ecke. Als er uns sah blieb er verwundert stehen. Er hätte wohl nicht gedacht uns hier anzutreffen. Normalerweise kenne ich ihn mit verdreckten Klamotten und die Hände schwarz vom Müll einsammeln. Heute war er sauber angezogen und gekämmt. Es war schließlich Feiertag und für die Katholiken der Tag der Schutzheiligen für die Fahrzeuge. Also auch für die Pferdegespanne. Offensichtlich freute er sich uns zu sehen. „Ich bringe euch zu den anderen“, meinte er. Drei Straßen weiter trafen wir dann auf Juan und Rafael. Sie standen auf der Straße vor einer kleinen Kneipe, etwas angetrunken und sehr erstaunt über unseren Besuch. „Wie habt ihr uns gefunden? Hier ist es gefährlich für euch! Habt ihr keine Angst“? Wir wurden sofort den restlichen Anwesenden vorgestellt und ich hatte den Eindruck, die vier Jungen freuten sich. Genau das war auch meine Absicht. Sie sollten merken, dass sie wichtig für mich sind. Die Mutter von Juan erzählte uns, dass sie schwer krank sei und Angst um ihre Kinder hätte. Während wir mit den Leuten dort sprachen sah ich Dinge, die schmerzten. Kinder mit Bierflaschen in der Hand auf der Straße zwischen betrunkenen Erwachsenen, ein Junge und ein Erwachsener die wild mit den Fäusten aufeinander einschlagen, ein alkoholisierter Vater, der seine Frau und die kleinen Kindern anpöbelt. Drogenabhängige, die auf der Straße im Müll herumstöbern, Mädchen mit 13 oder 14 Jahren, die schon ein Baby haben. Das ist der Alltag in diesen Vierteln. Wir fragen ein Mädchen in welche Klasse sie geht. „Nein, ich gehe nicht zur Schule, viele Kinder hier gehen nicht zur Schule.“ Juan, der älteste der Jungen erzählte uns, dass man immer wieder Schüsse im Viertel hört und es nicht wenige Morde gibt. „Die Menschen hier reagieren wegen Kleinigkeiten sehr agressiv“, meint er. Ab Mitternacht sollte man sich hüten auf die Straße zu gehen. Denn ab und zu kommen nachts bewaffnete Gruppen in das Viertel und erschießen die „indigentes“ – Personen, die auf der Straße leben. Sie nennen es „Säuberungsaktion.“ Keiner weiß wer sie sind und selbst die Polizei hütet sich vor denen. Wir reden noch eine Weile mit ihnen, beten für die Mutter von Juan und machen uns voller Dankbarkeit und Freude über Gottes Führen und dass er uns Licht sein lies in einem Umfeld der Bedrücktheit auf den Heimweg. Nun kannte ich also den Lebenshintergrund dieser vier Jungen. Sie haben von klein auf lernen müssen um ihr Überleben zu kämpfen. Gewalt erleben sie tagtäglich. Das hat zur Folge, dass sie nun selbst klauen und gewaltbereit sind. Ich freu mich immer, wenn sie bei uns vorbeifahren und klingeln. Und ich hab schon gemerkt, wie sie anfangen Vertrauen zu fassen und viele Fragen über meinen Glauben stellen. Wie herrlich wäre es, wenn sie ihr Leben von Gott umgestalten lassen würden. Auch wenn es aus menschlicher Sicht fast unmöglich erscheint, für Gott ist nichts unmöglich.





Es war schon im April, als in einem Gottesdienst der Pastor während dem Gebet sagte, dass wir Gott ganz speziell um Dinge bitten sollten. Also hab ich zu Gott gesagt, dass es zwar nicht das Allerwichtigste ist, was wir im Moment brauchen, aber ein Auto wäre für die Einkäufe, für die Fahrten ins Armenviertel und für Transporte der Kids sinnvoll. Ca. 2 Wochen später bekam ich eine email aus Deutschland mit der Anfrage, ob wir ein Auto brauchen können. Was für eine Gebetserhörung. Inzwischen haben wir einen Mitsubishi Wagon. Ein für unsere Zwecke hervorragendes Auto. Geländegängig, viel Stauraum und Sitzplätze. Es ist ein großer Segen für uns. Gott sei Dank!




Seit wir das Auto haben habe ich auch angefangen Familienangehörige der Kinder zu besuchen und mich über ihre Situation zu informieren. Mein Anliegen ist es, dass nicht nur die Kinder Hilfe erfahren sondern dass sich auch ihr Umfeld aus dem sie kommen verändert. Manchmal sind es wirklich hoffnungslose Fälle. Aber es gibt auch Fälle wie der einer Mutter, die sich ändern könnten. Sie musste mit ihren drei Kindern vom Land in die Stadt flüchten. Zunächst lebten sie vom Betteln auf der Strasse. Später konnte die Mutter eine Arbeit finden. Sie bekam ein viertes Kind von einem Mann den sie kennenlernte. Er hat ihr geholfen eine bessere Unterkunft mit zwei Zimmern zu finden. Doch der Preis den sie dafür bezahlt ist erschreckend. Der Mann hat eine Ehefrau und nebenher verschiedene andere Frauen. Bei ihr wurde nun eine Geschlechtskrankheit festgestellt. Ausserdem behandelt er sie nicht gut. Sie ist finanziell abhängig von ihm. Das ist der einzige Grund, warum sie das mit sich machen lässt. Zwar arbeitet sie fleissig und verkauft Würstchen auf der Strasse, doch davon kann sie sich und die Kinder nicht über Wasser halten. Sie ist sehr offen für das Evangelium und möchte so schnell wie möglich diesen Mann verlassen. Als wir mit ihr redeten, kam mir das Gleichniss vom Barmherzigen Samariter in den Sinn und ich hatte den Eindruck, dass wir nicht nur für sie beten, sondern ihr aktiv aus ihrer Lage heraushelfen sollten.
Eine gute Möglichkeit für sie wäre es, ihr beim Aufbauen eines kleinen Geschäfts zu helfen. Da bin ich gerade dabei mich umzuhören, was dafür nötig ist. Auch deshalb, weil ich am überlegen bin, wie wir für die Einrichtung hier ein Geschäft oder ein kleines Restaurant oder Café aufmachen können, um finanziell unabhängiger von den Spenden aus Deutschland zu werden und um unseren älteren Kids bzw. wie in diesem Fall den Müttern eine Möglichkeit zum Arbeiten hätten.


Nachdem ich nun schon drei Mal in einem Viertel namens Corinto war, und ich den Eindruck hatte, dass es dort notwendig wäre, eine Arbeit zu beginnen, waren wir letzten Samstag mit Angelika Walker und Angie dort um zu beten und mit dem Vorsteher des Viertels zu sprechen. Er heisst José und ich habe den Eindruck, dass er uns wohlgesinnt ist. Das Viertel ist vom Staat als hohe Risikozone eingestuft, da sich der Untergrund dort bewegt und Erdrutschgefahr besteht. Es ist ein armes Viertel. Die meisten Menschen leben vom Müll recyclen oder haben zeitweise Jobs als Wächter oder auf dem Bau. Die Jugendlichen haben kaum eine Zukunft. Es fehlen positive Vorbilder. So rutschen nicht wenige ab in Drogenkonsum und Kriminalität. Die Kinder sind Gewalt und Missbrauch ausgesetzt.

Mir ist es wichtig dort erst einmal im Kleinen anzufangen und das Vertrauen der Leute zu gewinnen, bevor wir grössere Aktionen planen. In den Gesprächen, die wir mit den Erwachsenen hatten, hatte ich den Eindruck, dass sie uns zunächst kritisch beäugten, sie aber sehr erfreut sind, dass wir etwas für ihre Kinder machen wollen. Was wir in den Gesprächen auch festgestellt haben ist, dass die meisten Kinder Probleme in der Schule mit Englisch haben. Das werden wir ausnutzen und Englischunterricht anbieten. Die Idee hat sich herumgesprochen und es kamen schon viele Eltern auf uns zu und fragten, ob ihre Kinder auch in den Englischunterricht dürfen. So sehe ich den Unterricht als ein hervorragender Türöffner, um den Kindern von Jesus zu erzählen und die Erwachsenen für uns zu gewinnen. Wir werden nun jeden Samstag dort sein und ein Programm für die Kinder anbieten. Bitte betet um Schutz und eine Offenheit der Menschen für das Evangelium.


Während Angelika in Deutschland war, war meine Aufgabe auch, mich um die Mitarbeiter zu kümmern. Eine Aufgabe vor der ich anfangs sehr viel Respekt hatte, ich nun aber sehr dankbar zurückblicke auf die vergangenen vier Monate. Es war nicht immer einfach, mir die Klagen von einem Mitarbeiter über den anderen anzuhören, für Frieden zu sorgen wenn Uneinigkeiten da waren, Fehlverhalten zu korrigieren, etc. Eine Mitarbeiterin musste ich sogar entlassen, nachdem es Unstimmigkeiten gab und sie ihre Arbeit nicht zu unserer Zufriedenheit verrichtete. Ein besonderes Erlebnis war für mich an einem Abend, als die Mitarbeiter des Mädchenhauses geschlossen vor allen Kindern um Vergebung baten. Das war die Folge eines Buches über Kindererziehung im Sinne Gottes, das ich mit ihnen angefangen hatte zu bearbeiten. Immer wieder ist dabei von der Einheit der Eltern untereinander bzw. in unserem Fall von uns Mitarbeitern die Rede. Und da herrscht durch die unterschiedlichen Kulturen und Generationen nicht immer Einheit. An diesem Punkt sind wir nun am Arbeiten und das gesamte Team ist bereit für eine Veränderung. Ausser Sandra, die seit einem Monat bei uns ist, sind es alle langjährige und treue Mitarbeiter, die ihre Arbeit mit den Kindern ernst nehmen und gut machen. Auf dem Foto seht ihr oben von links nach rechts Liliana, Ingrid und ich. Unten Aura, Angelika, Sandra, Silvia und Teresa.




Juan Esteven heisst ein neuer Junge, den wir aufgenommen haben. Er ist 9 Jahre alt und hat seither mit seinen 3 jüngeren Geschwistern, der Mutter und der Oma zusammen in einem Raum in einem der krasseren Armenviertel von Bogotá gewohnt. In diesem Raum befindet sich ein Bett, ein Schrank, eine Kochstelle, ein Fernseher und das war es auch schon. Die Wände sind mit Zeitungspapier tapeziert. Der Vater von Juan ist unbekannt, der Vater der Geschwister wurde umgebracht. Juan, ein äusserst begabter Schüler und hilfsbereiter und netter Junge wurde von der Mutter Anfang des Jahres aus der Schule genommen, nachdem er von einer Jugendbande dort unter Druck gesetzt wurde, bei ihnen mitzumachen. Er möchte nicht abrutschen sondern etwas aus seinem Leben machen, sagt er. Diese Möglichkeit soll er bei uns bekommen. Es wäre schön, wenn wir Paten für ihn finden können.




Endspurt ist für die Kids in der Schule angesagt. Ende November hört das Schuljahr auf. Die meisten unserer Kinder sind gute bzw. sehr gute Schüler. Angie, Steven, Daniel, Juan David und Luis Carlos sollten das Lernen ernster nehmen und auch ihr Benehmen gegenüber Lehrern und Mitschülern ändern. Es vergeht kaum eine Woche, in der man nicht in eine Schule gerufen wird und sich die Lehrer beklagen. Bitte betet besonders für diese fünf.




Mir persönlich geht es sehr gut. Zu sehen, wie Gott seine Fäden fleissig spannt in meinem Leben und er mich Schritt für Schritt weiterführt in seinen Plänen, erfüllt mich mit einem tiefen Frieden. Angie hatte im September ihren 23. Geburtstag und wir haben uns im Kreis ihrer Familie und Freunde verlobt. Sie ist eine wunderbare Bereicherung für mich und für die Arbeit von Aktion Barmherzigkeit.


Etwas, das mir schwer fällt, und ich glaube ihr merkt es auch, ist mich bei all den treuen Freunden und Ermutigern zu melden. Es ist nicht leicht für mich, hier Beziehungen aufzubauen und gleichzeitig die alten Freundschaften dort im gleichen Mase weiterzupflegen. Oft plagt mich deshalb das schlechte Gewissen. Ihr seid und bleibt sehr wichtig für mich, auch wenn ich es nicht so zeigen kann, wie ich es gerne wollte.


Nun habe ich euch ein wenig Einblick gegeben in unterschiedliche Situationen und in ein paar wichtige Ereignisse. Angie meinte nach dem letzten Besuch in einem Armenviertel zu mir. Weisst du, das vermisse ich bei meiner Arbeit im Büro. Dort sitze ich den ganzen Tag vor dem PC und mache meinen Job, nur damit mein Chef zufrieden ist. Du kannst mit nur einem Lächeln, einer Umarmung, einem ermutigenden Wort oder mit der praktischen Hilfe das Leben vieler Menschen froher machen und weisst danach, dass du etwas gutes und sinnvolles getan hast“. Eines ist ganz klar: Ohne eure Unterstützung und ohne die treue Versorgung Gottes, die mich immer wieder auf’s Neue ins Staunen bringen, könnten wir hier gar nichts bewegen. Herzlichen Dank!

Der Herr ist gut, in dessen Dienst wir stehn! Er segne euch!

Euer Tobias


Denn ich weiß, was für Gedanken ich über euch habe, spricht der HERR,Gedanken des Friedens und nicht des Leides, euch eine Zukunft und eine Hoffnung zu geben.
Jeremia 29,11